Baugenossenschaft Neu Heidelberg investiert in Klimaschutz, Modernisierung und bezahlbares Wohnen
Vertreterversammlung beschließt Jahresabschluss 2025 einstimmig – Millioneninvestitionen in Bestand und Neubau geplant
Die Baugenossenschaft Neu Heidelberg blickt auf ein wirtschaftlich solides Geschäftsjahr 2025 zurück und stellt zugleich die Weichen für umfangreiche Investitionen in Klimaschutz, Modernisierung und Neubau. Bei der ordentlichen Vertreterversammlung am 24. Juni im Gesellschaftshaus Pfaffengrund genehmigten die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter den Jahresabschluss einstimmig und bestätigten Vorstand sowie Aufsichtsrat ohne Gegenstimmen im Amt.
Zu Beginn der Versammlung erinnerte Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Friedel an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder der Genossenschaft. Stellvertretend wurde der langjährigen Aufsichtsvorsitzenden Dr. Martina Gernold-Kunzler gedacht.
Solide wirtschaftliche Basis trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Vorstandsmitglied Thomas Obert stellte den Jahresabschluss 2025 vor und verwies auf die weiterhin herausfordernden Rahmenbedingungen für die Wohnungswirtschaft. Insbesondere die Baukostenentwicklung stelle Wohnungsunternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Seit 2019 seien die Kosten für Neubauten um rund 50 Prozent gestiegen, auch Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen verteuerten sich kontinuierlich.
Dennoch konnte die Genossenschaft ihre stabile Vermögens-, Finanz- und Ertragslage behaupten. Die Bilanzsumme belief sich zum Jahresende auf rund 64,5 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss 2025 beträgt rund 1,2 Millionen Euro. Gleichzeitig investierte die Genossenschaft erneut erhebliche Mittel in die Qualität ihres Wohnungsbestandes.
Allein für Instandhaltung und Modernisierung wurden im Jahr 2025 rund 6,6 Millionen Euro aufgewendet. Damit lag man deutlich über den Investitionen vergleichbarer Wohnungsunternehmen.
„Wir sind auf dem richtigen Weg“, fasste Obert die Entwicklung zusammen. Grundlage dafür seien die stabile Vermögenslage, eine solide Eigenkapitalbasis mit 51,4 % sowie die konsequente Investition in den eigenen Bestand und Neubau.
Wohnraum bleibt deutlich günstiger als auf dem freien Markt
Vorstandsvorsitzender Uwe Linder berichtete über die Entwicklung der Genossenschaft im Geschäftsjahr 2025. Zum Jahresende gehörten der Baugenossenschaft 4.978 Mitglieder an. Die Zahl der Geschäftsanteile stieg erneut deutlich an. Mit einer Fluktuationsrate von lediglich 4,1 % blieb die Bewohnerstruktur stabil.
Besonders deutlich wurde der soziale Auftrag der Genossenschaft beim Blick auf die Mietpreise. Während die Durchschnittsmiete in Heidelberg im Jahr 2025 bei 11,00 Euro pro Quadratmeter lag, betrug die Durchschnittsmiete der Baugenossenschaft lediglich 6,80 Euro pro Quadratmeter.
Linder machte jedoch deutlich, dass die langfristige Sicherung der Investitionsfähigkeit - insbesondere aufgrund der deutlichen Baupreissteigerungen -auch moderate Mietanpassungen erforderlich mache. Die Genossenschaft bewege sich weiterhin deutlich unter dem allgemeinen Marktniveau und verfolge konsequent das Ziel, bezahlbaren Wohnraum für ihre Mitglieder bereitzustellen.
Hohe Investitionen in Bestand und Modernisierung
Auch im vergangenen Jahr wurden umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt. Neun Siedlungshäuser wurden bei Mieterwechseln umfassend modernisiert. Dabei entstanden zusätzlich 172 Quadratmeter Wohnfläche durch den Ausbau von Dachgeschossen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der energetischen Modernisierung. In der Keplerstraße und der Häusserstraße wurden insgesamt 18 Wohnungen von Gasetagenheizungen auf perspektivisch klimaneutrale Fernwärme umgestellt. Darüber hinaus wurde im Boxbergring die Elektroinfrastruktur erneuert und ein Mieterstrommodell mit Photovoltaikanlagen der Heidelberger Energiegenossenschaft realisiert.
Für das Jahr 2026 plant die Genossenschaft nochmals höhere Investitionen. Insgesamt sind rund 8 Millionen Euro für Instandhaltung und Modernisierung – und damit Investitionskosten von rund 63 Euro je Quadratmeter Wohnfläche – vorgesehen.
Neubauprojekt schafft geförderte Wohnungen
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist der Neubau in der Breslauer Straße 9 in Heidelberg-Kirchheim. Dort entstehen bis Mitte 2027 insgesamt 20 öffentlich geförderte Wohnungen mit einer Wohnfläche von rund 1.433 Quadratmetern.
Das Gebäude wird als Effizienzhaus 55 errichtet und an das Fernwärmenetz angeschlossen. Ergänzend ist ein Mieterstrommodell in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Heidelberg vorgesehen. Sämtliche Wohnungen werden an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein vergeben und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums in Heidelberg.
Daneben wird die Komplettsanierung der Gebäude Gutachweg 1 und 3 vorbereitet. Die zehn Wohnungen sollen ebenfalls öffentlich gefördert und langfristig preisgünstig vermietet werden.
Millioneninvestitionen in Klimaschutz und Bestandserhalt
Ein Schwerpunkt der Versammlung war die vorgestellte Klimastrategie. Die Genossenschaft analysierte ihren gesamten Gebäudebestand mit 226 Gebäuden und legte einen langfristigen Klimapfad vor. Aktuell beträgt die CO₂-Bilanz 22,6 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt vergleichbarer Wohnungsunternehmen.
Für die Erreichung der Klimaziele bis 2040 wären Investitionen von rund 64 Millionen Euro erforderlich. Dies entspräche einem jährlichen Investitionsvolumen von etwa vier Millionen Euro allein für energetische Modernisierungen. Vorstand und Aufsichtsrat betonten jedoch, dass eine vollständige Dekarbonisierung bis 2040 für gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen ohne erhebliche Fördermittel wirtschaftlich kaum realisierbar sei. Als realistischer Zeitraum wurde daher ein Zielkorridor zwischen 2050 und 2060 genannt.
In zwei Klausursitzungen verabschiedeten Vorstand und Aufsichtsrat deshalb eine Klimastrategie, die ökologische Verantwortung mit dem genossenschaftlichen Förderauftrag verbindet. Ziel sei es, den Gebäudebestand schrittweise in Richtung CO₂-Neutralität weiterzuentwickeln und gleichzeitig bezahlbares Wohnen zu sichern.
Zustimmung zu allen Beschlüssen
Die Vertreterversammlung stellte den Jahresabschluss 2025 einstimmig fest. Der Bilanzgewinn von rund 1,58 Millionen Euro wird für eine Dividende von 4 % auf die Geschäftsguthaben, die Stärkung der Bauerneuerungsrücklage sowie den Vortrag auf neue Rechnung verwendet.
Einstimmig erfolgte auch die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurde Karl Emer als Nachfolger der verstorbenen Dr. Martina Gernold-Kunzler gewählt. Winfried Monz wurde in seinem Amt bestätigt.
Mit den einstimmigen Beschlüssen und den vorgestellten Investitionsprogrammen unterstrich die Vertreterversammlung den langfristigen Kurs der Baugenossenschaft Neu Heidelberg: bezahlbaren Wohnraum erhalten, neue Wohnungen schaffen und die Herausforderungen des Klimawandels wirtschaftlich verantwortungsvoll bewältigen.
Zum Abschluss der Versammlung hatten die Vertreterinnen und Vertreter die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Anregungen einzubringen – ein Angebot, das rege genutzt wurde. Die Ehrungen für 50-, 60- und 70-jährige Mitgliedschaften übernahm der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Friedel.